Donnerstag, März 30, 2017

280317-300317 Morgen /Die Irrfahrten kranker Tage

280317 gekämpft bis zum morgengrauen, halbschlafdystonie, mit irritierten ganglien in den tag gegangen, erstmal verlaufen, neben dem weg gegangen, bin aber der kenotaph meiner kommenden tage ... und wenn ich nicht gleich die lektüre starte, bleibt sie nicht erhalten, bis zum abendlichen aschenflug werden wir manche seite wenden, oder, der tag wird leer ... ... bis zum abendlichen Aschenflug werden wir manchen menschen kennen, weil wir nur leben, wenn wir lesen ... im Scheingrab Erdenkörper leer die gewebten Welten beobachten ...#lesen wir lieber, oder? als das wir nichts tun ... nicht nur, viel, aber nicht nur ...

290317 der ideologische Schatten, der als Angstschür mein Sein seit dem morgendlichen, nicht üblichen Verschlafen umfängt und sich an meinem dystonen Nukleus festbeißt, trägt auch heute, wie so oft das Gesicht der üblichen Verdächtigen, die fast sekündliche Zerstressung bewirken, dabei sadistisch feixend und johlend fadenscheinige Gründe vorbringen, mein Denken, Leben und Handeln böse verändern, nur weil sie im selben Haus wohnen. Dazu kam ein Windowsschaden, spontanes, temporäres Profil: Aller Daten und Einstellungen verlustig gegangen, neues Konto anmelden, auf die geplante Lektüre verzichten. Dadurch beruhigt, trotzdem scheiterten weitere Leseversuche, Grund: Die Nerverei ging pünktlich weiter ... in die Stadt gefahren, den Schatten trotz Dutzender mitfühlender, mitkämpfender Leute nicht los geworden ... heute schon wieder kaum eine Sekunde für mich gewesen, nur obszöne Wünsche, mich Leuten anzupassen, die mein Leben nichts angeht. Und die es nicht zu interessieren hat ...

Nachtrag: was hier getan wird, führt höchstens zur nächsten Zigarette, zur nächsten Bettlägerigkeit oder zur nächsten Grausamkeit. Auch heute mehrfach vor Schmerzen geschrien, ... für die zum literarischen Leben notwendige Forderung nach für-mich-sein ernte ich nur Hass und Ablehnung ... momentan bin ich zu schwach zum Abfall wegbringen ... ´

300317 Morgen
die Reste des kranken, letzten Tages, in der Erinnerung verschwebte Schatten, wenigstens keine Alpträume davon gehabt. Es lag wohl genug Alptraum im Wirklichen. Heute: das Trauma der Zerreißungen von gestern zu vergessen, war Aufgabe und Pflicht des Morgens, vielleicht kann ich mich noch am Vormittag aufraffen, mein graues Äthergesicht wieder etwas Sinnvollerem zu widmen ... erdwertere essenz als ständig existenzielle Situationen fressen müssen und dazu liegt Satans Finger in den anderen Wunden und du schreist doppelt ...

Samstag, März 04, 2017

030317

Gewagte Projekte werden manchmal unheimlich. Die fehlenden Erfahrungswerte, das Niemandsland, beides bezogen auf das Nichts, aus dem ich die jeweilige Textskulptur fertige, machen mir dann und wann Angst. Das Schreckgespenst des Scheiterns bleckt das Gebiss der Leere, bis meine symbolische Gänsehaut die weitere Fassung verhindert. Ergebnis: Ich lege den Text weg, bis er blutet. Dann siegt das Mitleid über die Angst und ich setze mich dran, und arbeite es aus, bis das Gespenst, das mich der üblichen Hybris beschuldigt, also, über mich hinauszugehen, wieder da ist. Dennoch gilt am Ende meist: Wer wagt, gewinnt. Ihr kennt das.

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alptraum ich kaue einen kaugummi, bis ich mich fast übergeben muss. währenddessen quatscht mich ein sechzehnjähriger im körper eines vierundzwanzigjährigen, der eine vatermaske benutzt, entsetzlich lange voll. schnitt. ich werde von meinen nachbarn zu einer feier eingeladen. wir sind die besten freunde. schnitt. ich bin ein löwe in einem käfig, ich fresse rohes Fleisch, bis ich wieder aufwache.
Bitte, Kaffee!

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Im Nicht wartet der tote Mann, schweigend.

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Es waren zu viele Tage hintereinander da, in denen meine Stresskrankheit Lesen, Schreiben, Fernsehen, etc. verhindert hat. Das ist schade, wenn du merkst, dass der Stress vorwiegend von außen kommt, weil Du selbst Deine Ruhe schon gefunden hast. Unverständnis, Missbilligung, Hass und ich bin wieder ausgefallen, mein Leben ist ausgefallen, meine Arbeit ist ausgefallen und was ich dafür bekommen habe, wäre ewige Verdammnis. Das ging über Monate so, aber ich habe das Gefühl, das es besser wird ...

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Ein lauer Winter, wie üblich, was sagt der Frühling uns? Nicht viel. Bisher auch lau ... sind ja auch erst ein paar Tage, wie wird er werden? Es wird sein wie immer ... die Jahreszeiten werden immer schneller umgeblättert, im Buch meiner Wahrnehmung der Zeit. Ich weiß schon, das ich bald wieder umblättern muss ... Dann ist Sommer. Nichts ist so vergänglich wie eine Jahreszeit, bei jedem Umblättern raschelt das Ende ein wenig lauter ...
 

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 Im Schweigen Menschentier sein, ohne Gedanke.

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Montag, Dezember 12, 2016

betrachtungen 2 /121216 bilderrauschen

Halb zehn. Sichtung Piraten: Sieben Gehängte, Bildschnitt, Titellogo, Bildschnitt, Singapur ... ich komme in Versuchung, dazu was zu denken:
... Die Geschichte, sakrilegisch: Lediglich Bilderrausch, frevellos: Flügelaltar, gleichgültig: gedreht in saturierter Serie. ... wir merken deutlich, das  ... STOPP: Was ist los, sophistische Kritikspielereien zu machen, ins an der Stelle wirklich ablenkende, störende Denken zu kommen?
... Kurzes Andenken der Notwendigkeit von so etwas wie einem Begriff von Erzählung, nämlich der Notwendigkeit, das eigene Denken offzuschalten, was denkt, ist der Film. Er denkt in Handlung ... und wir, gewohnt, uns in die Geschichte hineinfallen zu lassen, fangen an, der Erfahrung zu folgen, versinken, verlieren uns. Das geltende Dogma ist die ungeteilte Aufmerksamkeit, sehen, bis wir leer sind. Das Denken des Beobachters ist die Beobachtung selbst, der Bildschirm, ein Altar, der das Sehen freisetzt ...
Es setzt aber das Denken von Erinnerung ein, die durch den Film, angeregt wird. Ausgerechnet jetzt. Wir ... hören die ... ratternden Filmdosen mit Errol Flynn  ... im Tiefbunker des Gehirns befindlich und im Angesicht der filmischen Sensation aufblitzend, die frühen Alben meines Gedächtnisses geben ... die Schemata wieder heraus: ... Schiff und Meer, Insel und Festung, Kanone und Säbel, Sturm, Schatz und Flaute. ... alles passt auch auf das Neue ... 
... dennoch ist der Mehrgewinn des neuen Films unermesslich: Wir sehen potenzierte Kunst, (Eine Signatur des 21. Jahrhunderts? Potenzierte Kunst.) Flynn hoch X. Wir sind weiter. Im menschlich gemachten Neuen. Das Surren der alten Zeit verblasst digital. Wie Bogen zu Armbrust, Pergament zu Papier. ... Gleichsam digital: Die Qualität des Erzählten, der Bombast des Designs, wuchernd, blühende Räume. Kaskadenartig wuchs der Film zur unermesslichen Erzählung, das alles verschlingende Auge, mediallibidinös perfekt penetriert, entlädt seine gestressten, überspannten Muskeln im Heute sehr viel besser als damals in den Zeiten des Zelluloids, es glänzt, lacht, produziert Interesse, wackelt vor Glück ...
Ich weiß nicht recht, ob ich meine gleichsam berauschten und trotzdem rotfädigen Gedanken fortsetzen soll oder im reinen Sehen den roten Faden der Gedanken wieder abschalten soll? Welcher Faden ist der von Ariadne? Ich weiß es. Aus dem Labyrinth heraus führt uns das Sehen. Die minotaurische Wirklichkeit? Wir flüchten ihr gern, in den Film hinein. Und der Film denkt weiter ... zumindest theoretisch. Denn ich kann mit dem Denken auch jetzt nicht aufhören. ... Viele denken nur die Attraktivität des Films. Oder, anders gesagt, werden im Rausch seines 'Denkens' verschluckt. Was zählt, ist der Augenblick. Wenn wir abschweifen, wird uns der Film bestrafen, wir verstehen ihn nicht. Andernfalls könnten wir uns vergessen, der erzählten Geschichte folgen, durchatmen. Das Drehbuch kennt unzählige Charaktere, Volten, Ideen, Tricks, den Wert der ständigen Überraschung ausnutzend, springt auch das Bild von Attraktion zu Attraktion. Filmische Langeweile gehört so der Vergangenheit an. Wir fragen nicht mehr, halb trostlos, wann Errol Flynn wieder auftaucht, wir reiten auf den Wellen des pausenlos uns pompös Präsentierten. Was ist passiert, das das Filmische einen Quantensprung gemacht hat, das alles anders, größer geworden ist? Es ist, wie gesagt, hauptsächlich das neue Element des Digitalen, es ist der Möglichkeitsraum des Virtuellen, der alles verändert, in Aufruhr bringt. Wenn Sie ALLES sichtbar machen können, werden Sie es tun. Und Hollywood macht es. Es ist, nach dem artifiziell ebenfalls überzeugen könnendem Stummfilm die zweite Hochphase des Films, die wir erleben. Der Begriff der Traumfabrik ist zu 100% wirklich geworden.
Sie müssen dringend flüchten? Flüchten Sie in die Anderswelt des Filmischen! Es hilft.

Dienstag, November 22, 2016

beschreibungen 4/221116 last questions

...erste letzte Frage, im Stechschritt kommt Einer, zugwärts. Kann der das sagen? LAST QUESTIONS ... Wer möchte? Der, der sich meldet, bestreitet die FRAGE. ... Einer schaut kritisch: Ich gebe Dir darauf keine Antwort ... in einem Abteil hebt sich die Hand des erwünschten Helfers, bisher unbesiegt erhebt sich auch die FRAGE: Ich will die Antwort nicht negieren. Er sagt das allweise Gesetz, welches das Bestimmen des Blitzens der Sense nicht zulässt. DU SOLLST NICHT TÖTEN! Ich widerrufe das Töten. Wieder mal.
... im Rauschen der Gesichter, strömenden Körper, füllen die Zeiten den Tag. Dutzende Beine taumeln quer, Arme. Das rhythmische Zucken der Massen: Wunderkammer Bahnhofsgetue. Meine Zeit wartet auf der Treppe. Ich nehme sie und gehe ...
Die letzte Fragen sind still geworden, sie wollen nicht recht kommen. Beschluss, ich antworte der Nächsten. LAST QUESTIONS ...
... es erscheint ein berbernder Verlorener, Platte putzend. Er hat sie gefunden ...
-Guten Tag. Die FRAGE: Wenn ich Dreck dein Schicksal bin, wie kannst du es verhindern?
Ich blecke ihn an: -Ich vergesse dich, bis deins dich auffrisst. Du hängst zu tief in den Fäden.
FRAGEN AUS. ...
... Busbahnhof. Prasselregen als Herbstbeweis. Manche Junge, bekifft mit Mütze, sind als gleichsame Proleten schnell zu verorten ... erkennbar, erwartbar ... ähm, wir meinen es ja nicht so ... keine echten Kranken, eher Übertreibende ... Oder Vögel. Blöde Vögel blöken ... drei Vögel mit im Bus. Frieden machen, Spell ... Bis Derer drei Traumzeiten lang märchenleise sind: Stachelrotlos schlafend, hinterer Bus. ... Aussteigend: Die Füße treten auf das Pflaster ...
... Haltestelle verschoben ... Kanalbauer klopfen Steine fester, ein Mann rennt wie durch die Erdatmosphäre einen Schuttberg hinunter. Im Hämmern, Archetypus des working man, mitklingend, flieht mein Hirn den Verbindungen, Sinfonie der Genealogien Hämmernder durch die menschlichen Jahrtausende ... den Weg runter, zu Hause.
... ich lasse meine Zeit auf der Straße, Gehirn lautlos, schöpfe die Unendlichkeit aus dem geistigen Gefüge meiner Wohnung. Sie: Atmosphärisch gesehen mäandern wir durch empfindende Bilder, atmende Situationen ...
... wartend auf die nächste Frage. LETZTE FRAGEN. Sie: Wo gehen wir hin? Im Angesicht des 21. Jahrhunderts schämen wir uns nicht unserer Antwort: Wenn der Sarg verscharrt ist, harrt die Witwe der fehlenden Gedanken. Die Himmel der Bewusstseine sind leer. Nur Schatten, ewige Wie-war-das-noch-Reflexe, an den Rändern erinnerte Bilder, kratzend, stocherndes Weh, wir sind die einsamen Gehirne, wir haben kein Du mehr. ... Ergebnis im Impuls, murrende Omas, die sich die fehlenden Gedanken selber machen müssen... was soll's, das Ende, schau ihm klar ins Auge. Dann siehst du. Last Questions, make go. Hinaussehend:
Draußen wartet Kassandra. Mit den Rhapsoden. Ich taumele hinunter und sie erzählen mir alle der alten Geschichten. Kassandra trinkt purpurn verklärt ihr Gift, verblasst. Die Rhapsoden werden zu wilden Pferden und stieben davon. ... ich taumele zurück in die Wohnung und. Vergesse. Alle FRAGEN ... Ich habe zu schreiben ...
...

Mittwoch, Oktober 26, 2016

beschreibungen 3 /261016 betonflanieren

Urbanität. ... Sturmtief über Europa, Erdbeben in Südamerika, schmelzende Polkappen. Den Blick wegnehmen, das Planetare ausblenden. Roter Wald, kahle Äste, Herbst wird Winter ... Winter wird Sommer, ... reduziere die zyklischen Bewegungen auf Null. Das ewige Jetzt, es realisiert sich. Urban. Urbanität frisst Natur, frisst den Menschen ...
(Auf. In die Städte, da ist Arbeit. Das wussten sie. Und das Leben, ja, das Leben, das Leben in der Situation selbst, das ist städtisch. Das wussten sie auch schon.)
... Die Horizonte aus Beton, die nehmen uns den unendlichen Himmel weg. Uns Himmelsseglern, goldstolzen Herren, stört das. Man sollte den Beton niederreißen, den Dunst, Smog, wegsaugen, damit wir die Sterne wieder sehen können. Hier kann keiner mehr Held sein, Poet, Zauberer.
Nur: Graue Gesichter, die graue Gesichter anstarren. Aus den urbanen Strömen herausragende Protomen, rückwärts vogelschnäbelig wären sie. Mit etwas Fantasie. Nie lachende, verzerrte, solipsistische Masken, Munchs Schrei schreit tausendfach. Die modernen Menschen sind vereinzelte, wirre Individuen, Atome, die um einander kreisen und sich nie erreichen ...
... Überall schreit Es nach Geld, was sieht der monetäre Mensch im Spiegel? Den Betrug. Den Betrüger, der sich nicht traut, in seine eigenen Augen zu sehen, weil er blind ist. Betriebsblind. Sportautobabies bekommen kein Hartz-IV ...
... Flaneure, die sich die Zeit vertreiben wollen, einkaufen. Damit die gnadenlose Gewissheit des Todes sie aus den ewigen Klauen lässt. Es ist die letzte Maske, die letzte, leere Kopie der Fassade, die sie stört ... tanzen, singen, f*cken, bis der Vorhang fällt ... nur sinnloser Spaß, affektiert, flapsig ... weil der Knochenmann wartet ... eschatologisch flanieren die Leute dem Rand weg, überbrücken den Riss im Gefüge mit etwas zu schnellen Schritten, etwas zu lässig, irrwitzig mischfühlig. Menschen, die allen Geist verlieren, auf alles Leben verzichten müssten, senkten sie nur den Blick. Hyperaktivität schützt vor Ent-Hauptung. Das ist, was sie glauben, doch es ist kein Stress im Malerlicht. Cezanne rotierte nicht, er schaute. Bis ihm die Augen heraustraten. So Leute sind so. Die Anderen wollen nur ihren Blick in den Orakelschrein des zukünftigen Leids betäuben, möglichst viel lärmen und bewegen. Die letzte Maske vermeiden. Es gibt sie hier nicht. Der Fallstrick ist die Vorstellung, das Imaginäre des Nichts. Welches wartet. Während alle SIND, sind sie sicher. ...
 ... Sicher sind sie auch im Blick, ja: Eine Mätrice trinkt Tee mit der Freundin, was ihr einfällt, ist:
-Sie ist ein Dirnenkind, grinst jeden an, grell, etwas zu dick, was habe ich von der?-
Sie sitzt da, verschwindet hinter ihrem Blick,  lässt. Ihn. Unbewusst. Abgleiten. Von ihr weg. Er gerät in das Auge eines Mannes. Dem es dadurch tränt. Er blinzelt: das Blickverhältnis fällt zurück in seine Teile.
-Was habe ich getan, das Sie mich anstarren?
-Gar nichts. Ich wollte mir so helfen.
Straßenaufwärts: ... Die Bettler knien in demütiger Serie vor den Hastigen. Wer kniet vor den Bettlern?
-Ich habe zwölf Stunden mich klein gemacht. Jetzt darf ich essen. Mein Recht ist das des Armen, der euch anklagt, wegen Verschwendung und Verrat. Was mich stört, ist eure Mast, was ihr zu viel habt, wollt ihr für euch.-
Abends, hochklappen der Bürgersteige: Im Eilen der Kaufleute, wie sie ihre Läden schließen, verrät sich schon ihr Fernsehprogramm. Bier und Chips. Und vergessen. Die Bettler sind schon gegangen. City black.




Dienstag, Oktober 25, 2016

arbeitsjournal 2 /241016

Gestern Abend krank. Also, heute statt der gewohnten Lektüre, früh, den Blogartikel fertig stellen, damit ich rechtzeitig veröffentlichen kann. Klappt alles ...
Kaffeepause.
... Dann, etwas Netzwerken, den Artikel bei Facebook und Twitter bewerben ...
... die Friedenspreisrede von gestern, mich interessiert der Text naturgemäß mehr als der TV-Event-Pomp, deshalb in schriftlicher Form, von der Seite des Friedenspreises kopieren und in meine Zeitläufte einfügen: Mein Weltgedächtnis bereichern. Das digitale Archiv ist so privat. Für mich. Ich lese die Rede und markiere Wichtiges in grün, rot und grau. Drei Mal grau. Gesamteindruck: Es geht Frau Emcke um Individualität, Zugehörigkeit. um den Kampf gegen das ständige Setzen von Differenzen, et cetera. ...
... Politikrecherche: US-Wahl, Irak, Flüchtlinge. Trump trompetet so langsam aus, im Irak stellt sich die Frage, wie schnell sich die momentane Allianz gegen IS nach dem 'Sieg' entzweien und gegenseitig bekämpfen wird und das Flucht kein Verbrechen ist, wissen wir alle. ...
Müsli.
Lektüre. Zweiter Kaffee. Ein Kapitel Siri Hustvedt, es geht um Kunst, Bücher und Liebe. Gefällt mir. Ein kurzes, mich dieses Mal überzeugendes Kapitel aus Dan Browns Feder. Mythisch, spannend, real. Dazu ein paar Seiten aus Martin Walsers großem Goetheroman.
Ich klappe das Buch zu und stelle mir, wie manchmal, Goethe, unter einer seiner Statuen, auf der Treppe stehend, vor wie er seine Finger über den Geländermarmor gleiten lässt und raunt: -Was Du so gedacht hast, lieber Kriegsgott? ...
Rohkost: Gurke. Halbe Stunde Pause. Die Neuerscheinungen von der Messe müssten bald da sein ...
... Arbeit am Roman: Nach den ersten fünf Romanseiten Katja ist jetzt erst mal Martin dran ... den von Grund auf zu erfinden/definieren, wird mir ein wichtiges Ereignis sein. Da er der 'Böse' ist, muss ich darauf achten, seine positiven Seiten herauszustellen ... es wird sonst unglaubwürdig ... Im großen Plot ein paar Dinge geändert ... Frage, ob sich der Roman auf die Innenwelten ( + Gespräche) beschränken soll oder ob wir uns auch ein bisschen Darstellung/Beschreibung von Außenwelt gönnen ...
Mittagspause: Arte Journal, mein Brot. Fegen.
... Dramatik: Entscheidung, im ersten Teil der Elektraüberschreibung der sophokleischen Strukturvorgabe zu folgen, nur die Struktur, inhaltlich spielt das Stück vA gegenwartsbezüglich.
Der Antikenmythos und die Situation der griechischen Tragödie sollen aber auf der Bühne  wirkmächtig werden ... Problem, das gewählte Hartz-IV-Milieu dafür vielleicht verlassen zu müssen. ... Entscheidung darüber aufgeschoben.
Das bestellte Buch mit Elektratexten aus drei Jahrtausenden wird vermutlich einiges erhellen ... ach, die zwei Elektraseminare an der Uni fallen mir ein, das Buch hätte da gut rein gepasst. Der entsprechende Professor hat damit mein Interesse am Mythos aufgeweckt. Tolle Zeit!
... Außerdem zu wenig Tragödientheorie gemacht. Hänge noch bei Schiller ... beschlossen, den politischen Aspekt des Theaters stärker zu machen, vielleicht Elektra vom Grundgesetz aus zu verorten, oder, Rene Girard miteinbeziehen, was fällt mir noch ein: Kastration des psychologischen Begriffs des Elektrakomplexes oder Sophokles, Hofmannsthal und Sartre dialogisieren die Unterschiede ihrer eigenen Elektraversionen zu dieser oä ... ..
Sechzehn Uhr, Feierabend. ...
Vorabend. Arbeit am Blog. Social Media, Nachrichten im Fernsehen. Pause.
Abend: Etwas Lektüre. ...

Montag, Oktober 24, 2016

betrachtungen 1 /241016 Europen und der Stier


 Toleranz bedeutet, das Andere, Bedrohende, nicht auszugrenzen, sondern zu integrieren. Wenn die alten Griechen den Dionysoskult nicht mit in ihre Festordnung eingebunden hätten, hätte die Sprengkraft des Ekstatischen Attika vernichten können. Aber es kam anders. Die Peisistratiden brachten, im 6. Jhrd. vor Christus, den Rausch, den Sexus und das Emotionale unter die Kontrolle der Zwecke der Tyrannis, einfach, indem sie den Volksglauben staatlich legitimierten und organisierten: als Dionysosfest. Daraus ist dann unter Anderem das europäische Theater entstanden. Wenn wir heute etwas daraus lernen können, dann, dass uns Toleranz helfen kann. Dadurch, das wir die Flüchtlinge, den Islam, die Prekären, die Drogen, zu einem Teil von uns machen, entsteht nutzbare Vielfalt. Selbst die steinharten griechischen Tyrannen wussten das. Es ist eine Schande, das die hysterische Europe auf dem mythischen Stier der Ideologien reiten darf, der sich Zeus nennt, doch wie der Ochse immer nur libidinös täuscht. Rechte vortäuscht. Das kleine Europa, scheinbar wattiert durch seine erklärten Rechte, ideologisiert diese durch Mittel, welche von medialen Verwischungen über politische Verirrungen bis hin zur partiellen Unsichtbarkeit dieser Rechte im Falle der bestehenden, strukturellen Defizite im Gesellschaftlichen, Sozialen und Rechtlichen reichen. Der Ungerechtigkeiten gibt es genug, die Probleme sind riesengroß. Minderheitenrechte, Hartz-IV- und Asylgesetzgebung, Arbeitsleben, Gesundheitswesen, Mobilität, Natur und Altersarmut sind davon nur einige. Wenn die Herrschenden in Europa die Integration des Fremden, Neuen, Anderen so ernst nähmen, wie die den Dionysoskult ins Staatswesen aufnehmenden, alten Griechen, wir hätten viel gewonnen. Es gäbe genug denkerische Innovationskraft, um so ein Projekt anzugehen. Das Projekt der Integration alles Differenten.
Nur ist es nicht machbar. Weil der Mensch der Mensch ist; Der egoistische Mensch. Der alles hat, mit Ausnahme der nötigen Toleranz. Der selbst schreit, wenn er nur erkältet ist. Oder. Geld. Verliert. Oder: Luxus, Zeit und die üblichen Verwöhnungen. Und was im Kleinen gilt, trifft meist auch auf das Große zu. Staaten, Banken, Institutionen, Medien. Der egoistische Staat und viele seiner Vertreter beispielsweise haben immer ihre Häupter den gleicheren Tieren hingeneigt, die Tolerierten fressen aus dem Trog der Macht wie der Akzeptanz, die angeblich weniger Werten, die Verachteten, die 'Extremisten', hungern bis zum Ersten des Monats. Hast Du Geld, Macht oder Ansehen, wirst Du toleriert, gehörst Du dazu. Hast Du Hunger, bist Du arm, fremd oder anders, stoßen sie Dich ab, wie ein Paket wertloser Aktien. Sie sprechen in ihrem Wahn von Grenzschließungen, Abschiebungen, Hartz-IV-Verschärfungen oder -Sanktionen, Rentenkürzungen, Arbeiten bis 67, benachteiligen oder diskriminieren Kranke, Behinderte, Alte, Flüchtlinge, Frauen und Migranten und reden  sonntagsredig von notwendigen Verbesserungen oder den Werten des Grundgesetzes, nur um in der Woche den nächsten Wahnsinn zu beschließen.
Nötig wäre das, was viele nicht haben: Etwas mehr Toleranz. Toleranz statt Hass oder Gleichgültigkeit. Doch dazu reicht es bei ihnen nicht, im Kleinen wie im Großen, Europe lässt den ideologischen Stier durchgehen, wie es ihr passt. Reichen würde, den ethischen Anspruch des Grundgesetzes ernst zu nehmen. Reichen würde auch, es den Griechen gleichzumachen, das Fremde zu integrieren, anstatt es für immer auszuschließen ... etwas mehr Offenheit zu beweisen ... wir würden feststellen dürfen, das sich alles verbessern würde, das viele Problemstellungen verschwänden ... aber der gierige, machtbesessen verhärtete, nur an sich und seine hassvolle Gemütlichkeit denkende homo sapiens zeigt derart wenig Weisheit, das das Schreien der Benachteiligten uns selbst hier, 'über allen Wipfeln', die berühmte Ruhe stiehlt ... möge Europe den göttlichen Stier mehr beherrschen können, wir hätten alle was davon.